Springe zum Inhalt →

Alles, was (immer noch) falsch läuft mit Star Trek: Discovery – Teil 1

Ich habe vorgestern die dritte Staffel Star Trek: Discovery zuende gesehen. Nach rund fünf Folgen hatte ich die Staffel sogar weiterempfohlen – erfahrungsgemäß ein guter Indikator dafür, dass es mit einer Serie bergab geht. Leider traf das auch hier wieder zu. Während die erste Hälfte der Staffel Aufbruchstimmung zu verbreiten wusste, alte Tugenden hervorkramte (Figuren reden miteinander auch außerhalb von Gefechten), das episodische Erzählen in den Vordergrund rückte nachdem das serielle bei DIS immer ins total chaotische abdriftete und den Figurenfokus erweiterte, ging in der zweiten wieder einmal alles schief. Ja, ich finde die Staffel nach wie vor deutlich besser als ihre beiden Vorgänger, vor allem als die fürchterliche erste Staffel. Trotzdem sind die Probleme weiterhin so mannigfaltig, dass das hier nun ein Mehrteiler wird, um mal ganz genau darauf zu schauen.

Teil 1: Die Föderation

Die Föderation wird in Staffel 3 zum Fels in der galaktischen Brandung, zur Heimat eines jeden Sternenflotten-Offiziers, zum Bewahrer von Freiheit, Recht und Ordnung im Universum hochstilisiert. Und diese Föderation ist im Untergang, zerbrochen aufgrund eines katastrophalen Ereignisses, zerstreut und zerfallen? Das ist es, was den Mitgliedern der Mannschaft zu Beginn der Staffel die meiste Angst einjagt.

Nun muss man anmerken, dass die Föderation in den ersten beiden Staffeln nicht annähernd so idealistisch dargestellt wurde. In Staffel 1 wird das ganze Schiff als eine topgeheime Forschungseinrichtung eingeführt, in der heimlich außerirdische Lebensformen gefoltert werden, deren Anführer sich als ein wahnsinniger Comicschurke aus einem Paralleluniversum herausstellt. Am Ende befinden wir uns in einem Kriegsszenario, dass man durch die Zerstörung der feindlichen Heimatwelt lösen will. In Staffel 2 begegnen wir einer Geheimorganisation der Sternenflotte, die über verbotene Technologie verfügt, wenig Rücksicht auf ethische Bedenken nimmt und am Ende mitverantwortlich ist, dass das Schiff in die Zukunft fliehen muss. Die Hauptfigur der Serie zeichnet sich zudem dadurch aus, der Sternenflotte mehrfach die Befehle verweigert zu haben. Ich unterscheide hier bewusst nicht groß zwischen Föderation und Sternenflotte, da die Serie es leider gefühlt auch nie tut. Die Sternenflotte ist eben der militärische Zweig der Föderation, der ihre Werte eigentlich ebenso vertreten sollte.

Das mutet vor allem seltsam an, sobald den Crewmitgliedern das Wohlergehen der Föderation offenbar wichtiger ist als das der eigenen Heimat, der eigenen Familienlinie. Kaum jemand interessiert sich wirklich für die Erde. Die Brückencrew beamt einmal runter, um einen Baum zu umarmen und das war’s. Niemand schert sich darum, ob dort noch Nachfahren leben oder wie die Heimatstadt nun aussieht. Aber als die Discovery schließlich in die Tarnblase der Föderation einbiegt und einer Art Weltraumparkplatz (beinahe hätte ich Friedhof geschrieben) entgegen fliegt, da brechen alle Dämme. Die Leute kleben an den Fenstern, juchzen und weinen vor Freude. Einfach, weil sie ein paar Schiffe sehen, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen haben. Was die Serie damit sagen will ist klar: Die Föderation ist wichtig, die Föderation ist das Beste, was es in der Galaxie je gab, die Föderation steht für unsere Werte. Auch wenn wir ihr in dieser Zukunft eigentlich noch nie begegnet sind.

Tatsächlich ist die Föderation der Zukunft sehr idealistisch angelegt, hat mit Admiral Vance einen klugen und gerechten Kopf als Anführer (also eigentlich hat sie auch einen Präsidenten, aber der glänzt durch permanente Abwesenheit). Ihre Uniformen sind hell, das Innere ihrer Station himmelsgleich erleuchtet. Diese Föderation ist eine andere als die aus der Vergangenheit. Sie ist noch besser.

Das ist das eine Problem mit der Föderation der Zukunft: Sie wird einfach als dieses Utopia behauptet. Denn eigentlich tut sie ja nichts. Eigentlich hat sie sich in ihre Blase zurückgezogen, hat ihre Mitgliedswelten verloren und klüngelt so vor sich hin. Nicht ohne Grund spekulierten die Fans bis zur allerletzten Folge, ob Admiral Vance nicht doch ein fieser Oberschurke ist, so sehr hat man uns diese großartige Föderation näher gebracht.

Das liegt vor allem daran, was man alles von ihr zeigt, damit wir sie kennenlernen: quasi nichts. Es gibt Admiral Vance, seine Sicherheitsoffizierin und den mysteriösen Kovich, dessen Rolle aber unklar ist. Ab und an laufen ein paar Menschen durch die Station (eigentlich laufen nur Menschen durch die Station obwohl die Erde doch ausgetreten ist). Und die Station selbst, sie besteht aus einem Verhörraum, einem leeren Raum in der Mitte mit ausfahrbarem Boden, der obwohl dort nun wirklich jeder zuhören kann, von Vance oft als Meetingraum missbraucht wird und in der letzten Folge bekommen wir noch die Ops zu sehen. Keine Kantine, keine Gärten, keine Quartiere, keine Korridore, keine Technikräume, kein Präsident, keine Kapitäne, keine Diplomaten. Die anderen Schiffe huschen vereinzelt hauptsächlich anonym durchs Bild.

Auch hier wird zwar wieder behauptet, dass die Föderation immer noch diese mächtige, große Einrichtung ist, aber gezeigt werden drei Menschen, die auf einer winzigen Station inmitten von Weltraumschrott herumlungern. Diese Föderation zeigt keine Größe, die wirkt nicht einmal überlebensfähig oder in irgendeiner Weise erstrebenswert. Allein die Tatsache, dass alle auf einer Station oder Schiffen rumhängen wirft die Frage auf, ob es überhaupt noch eine planetare Mitgliedswelt gibt? Oder überhaupt Mitgliedswelten? Ist die Föderation vielleicht nur die Zuflucht einiger verblendeter Erder, die den Austritt nicht wahrhaben wollten? Und trotzdem wollen am Ende wieder alle Welten zurück, denn die Föderation hat neue Ölreserven Dilithiumreserven aufgetan und alle wollen etwas abhaben. Das sagt natürlich auch wieder einiges darüber aus, wie es um die sogenannten Werte steht.

Die Serie erzählt von der Föderation als utopische Gesellschaft und trotz allem eine der mächtigsten Organisationen in der Galaxis. Zu sehen sind drei versprengte Menschen, die ihre Zeit im All vergammeln.

Nächstes Mal werfen wir einen Blick in die Zukunft: Sieht das wirklich nach 900 Jahren später aus, war der Zeitsprung nötig und was hat er erzählerisch gebracht?

Veröffentlicht in Fail Review Serien

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.