Haus des Geldes – Teil 3

Vorbemerkung

Die ersten beiden Teile – eigentlich eine Staffel, deren Trennung erst in der Verbreitung durch Netflix zustande kam – haben mich ziemlich begeistert. Das Konzept, eine Gruppe von moralisch wahrlich nicht einwandfreien Räubern ins Zentrum zu stellen und zu den Protagonisten zu machen. Die Art und Weise, wie beide Seiten als fähig und intelligent portraitiert und niemand mit billigen Tricks geschlagen wurde. Die stets hochgetaktete Inszenierung, die selten eine Ruhephase gönnte ohne dabei ins völlig unrealistische abzudriften. Die in den allermeisten Fällen überaus gelungene Figurenzeichnung. Ja, ab und zu musste auch hier mal ein Auge zugedrückt werden, aber im Großen und Ganzen der Beweis, dass auch außerhalb Amerikas großartiges Fernsehen produziert werden kann.

Handlung

Die Gruppe ist seit Jahren weltweit zerstreut und lebt in Saus und Braus, als einer der Ihren festgenommen wird und mutmaßlich in ein Geheimgefängnis zwecks Folterung verschwindet. Alle erklären sich bereit, einen weiteren Coup durchzuziehen, um mit der Aufmerksamkeit und den Druckmitteln, die sie dabei erbeuten, die Freilassung zu erzwingen und das korrupte System bloßzustellen.

Kritik

Die größte Frage nach der ersten Staffel lautete: Wie kommen alle wieder zusammen? Und vor allem warum? Und – davon ausgehend, dass es wieder um einen Überfall geht – warum um alles in der Welt sollte erneut Beute gemacht werden, wenn doch alle bereits auf Abermillionen von Euros sitzen und ihr Leben genießen können? Die Antwort darauf muss so schlicht wie unzureichend ausfallen. Die Motivation, gemeinsam den festgenommenen Rio aus der Folter zu befreien, ist nachvollziehbar. Wieso dafür das Ausräumen der Zentralbank der beste Weg ist, muss man einfach akzeptieren. Die Serie versucht gar nicht erst, es besonders clever zu begründen. Auch die Teilnahme von Denver und Monica (jetzt: Stockholm) samt Kind muss man halt hinnehmen. All diese Fragen werden aufgeworfen, aber die Gründe sind nicht unbedingt plausibel.

Hier zeigt sich auch direkt ein Haken der Netflixisierung, die das Format ereilt hat: Statt einer runden Vision eines genialen Kopfes ist viel Kalkül am Werk und das schließt vor allem auch ein: Der Zuschauer soll genau das bekommen, was er erwartet und was ihn bereits einmal begeistert hat. Das äußert sich darin, dass die Serie obwohl sie eigentlich bei Null neu anfangen könnte und müsste absolut jeden Charakter der ersten Staffel auffährt, der irgendwie greifbar war. Stockholm ist nun Teil der Truppe, Lissabon (Raquel) ist nun Teil der Truppe. Berlin wird als Kopf hinter dem neuen Plan ausgemacht und spielt eine zentrale Rolle in den Rückblenden. Ángel wird als Experte zum Sonderkommando geholt, selbst Arturo schaut vorbei und wird schließlich erneut zur Geisel. Einer der neuen im Team, Bogota, ist eine eindeutige Kopie von Moskau, ein weiterer Marseille ist zumindest von der kaum vorhandenen Screentime mit Oslo vergleichbar. Und Palermo, der neue Anführer, weist mit seiner dominanten und narzisstischen Art bedeutende Ähnlichkeiten zu Berlin auf, der in den neuen Rückblenden nur seine sehr handzahme Seite zeigen darf.

Ähnliches gilt für die Handlung. Dass man einen Raub nicht unendlich variieren kann, ist natürlich klar, aber auch hier sind die Ähnlichkeiten frappierend. Eindringen, Geisel nehmen, Beute herstellen (hier durch das langsame Umschmelzen von Gold anstelle des Druckens von Banknoten). Der Professor (nun samt Anhang) steuert von außen.

Dankbarer Weise wurde hingegen darauf verzichtet, erneut zu viele Schwachstellen im Einsatzkommando der Polizei aufzuzeigen. Tamayo und Sierra sind kompromisslose Gegenspieler, die wenig Schwäche zeigen, auch wenn Tamayo immer kurz vor dem Meltdown scheint und Sierra eine Spur zu weit an der Schwelle zur Comicfigur wandelt. Aber man hat das Gefühl: diese Leute sind fähig und auf der Erfolgsspur, was man bei der Polizei der ersten Staffel nur eingeschränkt behaupten konnte.

So mündet Teil 3 dann nach einigen Längen auch in einem absolut fulminanten Finale, das alle Register aufzieht, die Schlagzahl auf das Maximum zu drehen und einen mit der typischen Cliffhanger-Frage zurücklässt: Wie soll das bloß weitergehen? Ja, der Schocker der Folge ist bereits aufgelöst und Protagonisten in Todesgefahr als Cliffhanger locken auch niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Aber es ist einer dieser Momente, in dem sich eine Serie in eine Richtung dreht, aus der sie eigentlich nicht mehr Kehrt machen kann. Zwischen der Bankräubertruppe und dem Staat wird der Krieg ausgerufen, aus den sympathischen Gangstern werden de facto gewaltbereite Terroristen, die sich gegen das System auflehnen. Kann man so in weiteren Folgen wirklich noch einen Heist zu Ende erzählen oder ist eine ganz neue Wendung vonnöten?

Fazit

Man sieht hier Netflix im Guten wie im Schlechten. Es wird einem das gegeben, was funktioniert und das auch ausgestattet mit einem Budget, das eine Produktion auf höchstem Niveau erlaubt. Die Menge an Drehorten der ersten Folge, die Menge an Hubschrauber-Shots und Verfolgungsjagden ist geradzu dekadent. Bezahl wird damit, dass Altbekanntes neu aufgetischt wird, dass man der Serie einen neuen Twist verweigert und lieber Unplausibilitäten in Kauf nimmt, um alles beim alten zu lassen. Zumindest deutet das Finale an, dass das nicht länger der Fall sein dürfte.

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