Lost in Space – Staffel 2

Handlung

Nach der Flucht in letzter Sekunde mit Hilfe des Roboters hat es Familie Robinson und die Jupiter 2 in einen fernen Teil des Weltalls verschlagen, erneut gestrandet auf einem fremden Planeten mit tödlicher Atmosphäre. Als das Treibhaus beschädigt und die Ernte vernichtet wird steht einmal mehr der Aufbruch ins Ungewisse bevor.

Kritik

Was die technisch-handwerkliche Seite angeht können wir es relativ kurz machen: Lost in Space sieht auch in der zweiten Staffel weiter sensationell aus und setzt absolut die Maßstäbe, an denen sich alle anderen Serienproduktionen messen lassen müssen. Das ist Kinoniveau der Blockbusterklasse. Auch Sound, Sets, Ausstattung können sich sehen lassen, hier wird an nichts gespart.

Um daraus eine großartige Serie zu formen steht Lost in Space aber noch mehr als es in Staffel 1 bereits der Fall war eine Frage im Weg: Was will die Serie eigentlich sein? Familienserie? Robinsonade? Military SciFi? Road Trip? Lost in Space will irgendwie alles ein bisschen und macht dabei nichts richtig.

Die Serie ist immer dann am Besten, wenn sie ihre Stärken ausspielen kann, wenn sie mit Bildern berauschen kann und den Zuschauer in einem absoluten Sense of Wonder staunen lässt. Seien es die gewaltigen Fluten, durch die sich die Jupiter 2 als improvisiertes Segelschiff manövriert oder die Horden an außerirdischem Vieh, das die Steppen bevölkert. Leider verbringt die Serie dann einen sehr großen Teil ihrer Zeit auf der eher generischen Raumstation, was auch noch dem Grundpfeiler der Verlorenseins zuwider läuft.

Denn wie schon in Staffel 1 vertraut Lost in Space nicht sehr lange auf seinen Cast um die Familie Robinson. Da kommen die Bewohner des Planetencamps dazu, dann das Kommando der Raumstation. Sehr viele bedeutende Figuren, die insbesondere für das Setup einer Familienserie ein großes Problem bedeuten: Wenn es so viele wichtigen Menschen gibt, wie legt man den Fokus weiterhin auf die drei Robinson-Kinder und ihre im Gesamtkontext nun auch nicht so übermäßig bedeutenden Eltern? Das gelingt oft nur durch Kunstgriffe, durch Kinder in Gefahr oder Kinder, deren Genie und Einfallsreichtum das der Erwachsenen übersteigt. Im Kontext einer Familienserie verschmerzbar, aber Lost in Space will offenbar mehr sein, denn Staffel 2 bewegt sich deutlich Richtung Military SciFi. Die Erdbewohner haben ein Mitglied der Roboterspezies versklavt. Die Roboter rotten sich zur Befreiung zusammen und greifen an. Wichtige Militärs übernehmen das Kommando. Das funktioniert alles einfach nicht, weil die Robinson-Kids viel zu oft als zu wichtig dargestellt werden und die Serie in ihrer dargestellten Härte die Grenzen der Familienserie nicht überschreiten will.

Apropos Robinson-Kids und Roboter: Will nervt vor allem in der ersten Hälfte der Staffel unheimlich. Ist er zu sehen, dann faselt er von seinem Roboter. Wo der Roboter jetzt ist. Was der Roboter jetzt machen würde. Dass sie den Roboter finden müssen. Dass ist alles so unglaublich behauptet und lässt Will wie einen liebeskranken Idioten dastehen. Natürlich hat er am Ende auch noch mit Allem Recht, was ihn in die Topriege der nervigen SciFi-Kinder katapultiert.

Nicht zuletzt durch die Ankündigung, dass die kommende dritte Staffel die letzte sein wird und die Geschichte abschließen soll, stellt sich neben der Frage, was die Serie sein will auch die Frage, wo die Serie eigentlich hin möchte. Welche Geschichte möchte man abschließen? Der Überbau der Serie ist bedenklich dünn, außer der Frage nach der Herkunft des Antriebs, die nun gelüftet ist, scheint es keine besonderen Fragen zu geben, der Cliffhanger wirft ein völlig anderes Kapitel auf. So scheint mir der Grund für die frühe Beendigung der Serie weniger ein runder kreativer Abschluss zu sein, sondern vielmehr, dass die Kinderdarsteller bei der langwierigen Produktion der Serie (eigentlich fast jeder heutigen Netflix-Serie) sehr schnell dem Alter entwachsen, für das sie vorgesehen waren.

Fazit

Technisch der pure Wahnsinn könnte Lost in Space ein Meilenstein des Sciencefiction-Fernsehens sein. Leider weiß es nicht, was es sein und wo es hin will, setzt sich damit beständig zwischen die Stühle und spielt seine Stärken nicht richtig aus. Hier wäre viel Potential, wenn man einfach mal eine Nummer kleiner denken würde, weg von der epischen Military SciFi und hin zum Familienabenteuer. Dass das mit nur noch einer ausstehenden Staffel, die zwangsläufig die Entdeckung der Zielkolonie beinhalten müsste, noch geschehen wird, ist leider äußerst unwahrscheinlich.

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