Dekonzeption

Jeder kennt diese Blogs, diese YouTube-Kanäle, diese Websites, in denen eifrig gepostet wird. „Neue Videos jeden Mittwoch und Freitag um 20 Uhr“, „täglich frische News“. Wo Großes angefangen und Neues angekündigt wird. „Unser Baumhaus, Teil 4 – Erste Wände“. Und dann: nichts mehr. Obwohl noch so viel kommen sollte, so vieles angekündigt war, so vieles angefangen. Nichts. Kein Post, keine Erklärung, kein Lebenszeichen. Ich habe mich oft gewundert, was dahintersteckt. Warum machen Menschen das? Teils jahrelang liebevoll ein Projekt pflegen, ein Werk, eine Selbstverwirklichung, um dann einfach von einem Tag auf den anderen abrupt aufzuhören. Sind die alle verunglückt, erkrankt, verhaftet worden? Oder schockverliebt?

Ich hab im Frühjahr 2020 M42 gestartet und vor gut einem Jahr einfach aufgehört dort zu posten. Eine Weile nachdem ich einige Pläne für das Jahr gemacht hatte und direkt vor der achten und letzten Folge der 2. Staffel The Ship. Bis heute wurde die nicht veröffentlicht. Und geschrieben ebenso wenig. Seit Mitte Januar habe ich einen Instagram-Kanal als Max MacPeligin, auf dem ich KI-generierte Bilderserien veröffentliche. Vor vier Wochen habe ich aufgehört zu posten. Der dritte Teil der „Panoramic View“-Serie steht noch aus.

Ich bin nicht verunglückt, erkrankt oder verhaftet worden. Auch nicht schockverliebt und entrückt. Vielleicht etwas schlauer.

Ich liebe Konzeptarbeit. Ideen in eine Form gießen, in einen Plan einbetten, ihnen eine nachhaltige Struktur geben, zu etwas Größerem machen. Damit sie eben nicht nach dem ersten Ausprobieren wieder verschwinden, sondern wachsen können.

Daher hatte M42 einen Sendeplan. Jeden Wochentag eine neue Folge, jede Serienstaffel hatte einen festen Sendetag, an den Wochenenden gab es einige Specials. Zwischenzeitlich hatte ich den Plan mehr als drei Monate im Voraus geplant. Dann ging ganz gut, denn M42 bestand nur aus Archivmaterial. Bis es eben nicht mehr aus Archivmaterial bestand, aber ein Plan ist ein Plan. Max MacPeligin veröffentlichte jeden zweiten Tag, nach einem durchdachten Plan, der für jede Stilrichtung regelmäßig etwas bot. Man muss seinem wachsenden Publikum ja etwas bieten. Aufmerksamkeit halten. Wer nachlässt, verliert.

Und irgendwann hat man den Moment, in dem man sich sagt „ich müsste das jetzt noch machen“ und es nicht tut. Und dann denkt „ich müsste das jetzt noch nachholen“ und es nicht tut. Und sich dann wochen- und monatelang gar nicht mehr einloggen mag in der Voraussicht, dort das eigene Scheitern zu sehen, das Unvermögen, die eigenen Pläne weiter bedienen zu können und dass es dort auch jeder andere sehen kann.

Und dabei hab ich ziemlich Lust auf die Sachen. Zu den Helden meiner Stories zurückzukehren, zu Linda und Kitty, zu Wiggum, Rudy und Bernie, zu Walter und Erwin, zu Prass, zu Lukas und zurück nach Mangostan. Und darauf, Fantasie in Bilder zu gießen, Geschichten zu erzählen, Welten zu erschaffen. Artikel zu schreiben ohne darüber nachzudenken, ob die nun ins Konzept passen, oder ob ich aus „TV, Tech + Drinks“ nun vielleicht erst einmal ein „TV, Tech, Drinks + Politics“ Blog machen sollte.

Ich dekonzipiere.

Dieser Blog trägt ab sofort wieder eine Variante meiner ganz alten Tagline – „100,5% AlphaOrange“ – statt einer Angabe, was man hier ganz konkret findet. Max MacPeligin postet wieder, wenn er Lust hat. Und er wird sich künftig nicht mehr darum scheren, wieviele Bilder in einem Post sind, ob das alles seinem künstlerischen Anspruch gerecht wird, ob immer eine gute Mischung aus bunt, tiefgründig und Wow-Effekt vorhanden ist. M42 wird gefüttert, wenn ich Lust habe, so schnell ich Lust habe. Womit ich … okay, es werden Serien-Miniaturen bleiben. Wenn da plötzlich Gedichte oder Comics erscheinen, das wäre schon etwas seltsam.

Ich werde kein Leben ohne Konzepte führen. Dafür hab ich zu viele Ideen im Kopf, die zwingend eine Gestalt wollen. Aber diese paar Spielwiesen sind jetzt free for everything. Oder eben auch mal nothing ohne schlechtes Gewissen zu haben. Let’s just do something.

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